Blogpause

Liebe Taktikjünger,

ungeplant haben sich für mich in den letzten Wochen neue berufliche Perspektiven aufgetan, sodass ich im nächsten halben Jahr die Spiele der Alemannia nicht mehr analysieren kann.
Ich bin wohl oder übel gezwungen eine etwas längere Blogpause einzulegen.

Bis auf weiteres wird dieser Blog also nicht mehr aktualisiert werden. Sämtliche Beiträge bleiben aber natürlich erhalten und sind auch weiterhin abrufbar.

Ich bedanke mich für euren bisherigen Zuspruch und verspreche, dass das hier kein Abschied für immer wird. Wir lesen uns wieder, dann (hoffentlich) aber in der 3. Liga!

Bis dahin alles Gute,

Euer Patrick

18. Spieltag: Alemannia Aachen – SG Wattenscheid 09

Da ist die Tabellenführung! Am 18. Spieltag gelang es der Alemannia mit einem ungefährdeten 3:0 Heimsieg gegen Wattenscheid 09 an Verfolger Rot-Weiss Essen vorbeizuziehen. Die hingegen konnten nämlich bei den Sportfreunden Lotte nur einen Punkt einfahren, sodass nun die Zweitvertretung von Borussia Mönchengladbach den zweiten Platz hinter den Schwarz-Gelben belegt. Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet findet sich nur noch auf dem dritten Rang wieder, sodass es weiterhin eng zugeht in der Regionalliga West.

Aachens Trainer Peter Schubert sah keinen Grund für personelle Veränderungen und schickte dieselbe 4-2-3-1-Formation aufs Feld wie schon im letzten Spiel vor einer Woche. Wattenscheids Übungsleiter Christoph Klöpper hingegen setzte (zu meinem Erstaunen) auf eine 3-5-2-Grundordnung und machte somit schon vor dem Anpfiff klar, nicht kampflos die Punkte am Tivoli lassen zu wollen. Das Spiel begann munter mit dem besseren Beginn für die Gäste. Innerhalb der ersten fünf Minuten gelang es den Wattenscheidern gleich zweimal sich dem Zugriff der Aachener Innenverteidiger Marcus Hoffmann und Kris Thackray zu entziehen und sich gute Tormöglichkeiten herauszuspielen. Auch die Alemannia setzte gleich zu Beginn ein Ausrufezeichen in Person von Kevin Behrens (7.).

Wie auch im weiteren Verlauf der Partie deutlich sichtbar wurde, ist es essentiell im Spiel gegen eine Dreierkette konsequent das Spiel über die Außenbahnen zu forcieren. Die drei Innenverteidiger schaffen es kaum das Spielfeld auf ganzer Breite abzudecken, sodass bei schnellen Seitenverlagerungen zwangsläufig Lücken entstehen. Auch Trainer Schubert hatte diesen Umstand schnell ausgemacht, sodass Aachens Außenspieler Tobias Mohr und Fabian Graudenz angewiesen wurden extrem hoch zu stehen und folglich die beiden äußeren Mittelfeldspieler der Gäste auf Höhe der eigenen Abwehrformation zu binden. Ich denke, dass der Ansatz des Wattenscheider Trainers dabei gar nicht schlecht war. Ich kann nachvollziehen zu versuchen mit einem Spieler mehr Überzahl im Mittelfeld zu schaffen und so die technisch versierten Aachener Mittelfeldspieler kompakt zuzustellen.              

Nach einer halben Stunde fiel der erste Treffer. Nach einer blinden Flanke von Dennis Dowidat schien die Situation eigentlich schon geklärt. Wattenscheids Abwehrspieler schaffte es aber nicht den Ball zentral vor dem Tor zu verarbeiten, sodass Graudenz am Elfmeterpunkt robust nachsetzten konnte und überlegt zur 1:0-Führung einschob. Aachens Elf erspielte sich im weiteren Verlauf der ersten Hälfte noch weitere hochkarätige Chancen, scheiterte aber am gut aufgelegten Wattenscheider Schlussmann Tim Boss.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs nahm sich die Aachener Mannschaft ihre obligatorische viertelstündige Pause. Dieses Verhalten war diese Saison schon mehrfach auszumachen, wodurch man in solchen Phasen aber kaum das Gefühl hat die Mannschaft würde das Heft aus der Hand geben. Sie verwaltet hingegen zumeist überlegen ihr Spiel, sammelt Kräfte und lässt den Gegner zurück  ins Spiel kommen um so wieder mehr Freiräume für eigene Angriffe zu schaffen und den Gegner etwas zu locken. Exemplarisch gelang es der Mannschaft dann auch in der 64. Minute nach diesem Strickmuster im Zuge einer Tempoverschärfung auf 2:0 zu erhöhen. Im Stile  Mirko Slomkas „Zehn-Sekunden-Regel“ vollendete Graudenz über die Stationen Löhe, Demai und Mohr einen Konter nach einem Wattenscheider Eckball innerhalb von zehn Sekunden. Selten habe ich von einer Aachener Mannschaft in den letzten Jahren solch ein schönes und zielstrebiges Umschaltspiel gesehen. Tobi Mohrs Vorarbeit ist in diesem Zusammenhang noch einmal gesondert herauszuheben. Nach einer tollen Einzelaktion brachte er das Anspiel zentimetergenau auf den mitgestarteten Torjäger Graudenz.

Den 3:0 Endstand markierte Tim Jerat schlussendlich durch einen berechtigten Elfmeter, nach einem Foulspiel an Kevin Behrens im Strafraum. Überhaupt gefiel der mir in diesem Spiel erneut sehr gut. Der Stürmer überzeugt als einzige Spitze nicht durch seine übermäßige Torausbeute, jedoch durch eine überdurchschnittliche Physis und bedingungslose Einsatzbereitschaft. Weiterhin ist noch einmal auf  die Durchführung der Eckstöße zu achten. Sowohl Aimen Demai, als auch Michael Lejan positionieren sich mittlerweile gemeinsam bei den Eckstößen, sodass sich die gegnerische Abwehr nur schwer auf die Flugbahn des Balles einstellen kann.

Sowohl Behrens, als auch Hoffmann oder der eingewechselte Müller hatten noch die Möglichkeit das Ergebnis weiter nach oben zu schrauben und etwas für das Torverhältnis zu tun. Wattenscheid konnte sich aber bei der schwachen Chancenauswertung und Torwart Boss bedanken schlussendlich nicht vollends unter die Räder gekommen zu sein.  
Das letzte Spiel dieses Jahres findet nächste Woche beim Aufsteiger aus Hennef statt. Sollte es der Alemannia auch dort gelingen drei Punkte einzufahren, überwintert die Mannschaft bis zum Spitzenspiel gegen Rot-Weiss Essen Anfang Februar auf dem Platz an der Sonne.

 

17. Spieltag: Alemannia Aachen – Sportfreunde Siegen

Halbzeit in der Regionalliga West. Nach nunmehr 17 Spielen führt die Alemannia punktgleich mit dem Herbstmeister aus Essen überraschend die Tabelle an und nur sechs Tore beträgt der Abstand um selbst den Platz an der Sonne zu übernehmen. Auch das letzte Heimspiel der Hinrunde gewannen die Aachener 2:1 gegen die Sportfreunde aus Siegen. Kris Thackray und der eingewechselte Japaner Taku Ito erzielten die beiden Tore für die Schwarz-Gelben.

Alemannias Trainer Peter Schubert vertraute dem bekannten 4-2-3-1-System, in dem Tim Jerat und Aimen Demai die Doppelsechs bildeten. Der Engländer Thackray ersetzte den an Knieproblemen leidenden Kapitän Peter Hackenberg und Kevin Behrens besetzte alleinverantwortlich die Sturmzentrale. Dagegen agierten die Sportfreunde Siegen, unter der Leitung vom neuen, alten Trainer Michael Boris, in einem flachen 4-4-2.

Das Spiel der Hausherren begann konzentriert. Das Team verpasste es aber in der ersten halben Stunde gefährliche Möglichkeiten herauszuspielen. Aachens herausragende Heimresultate scheinen sich in der Liga herumgesprochen zu haben, sodass sich auch die Gäste aus Siegen darauf beschränkten vor dem eigenen Tor zu mauern und allgemein nur wenig Konstruktives zum Spielverlauf beizutragen. Im Spiel gegen den Ball gab es nur wenig auszusetzen. Die Schwarz-Gelben fokussierten sich auf ein mannschaftlich geschlossenes Mittelfeldpressing, dass die Siegener Mannschaft kaum einmal über die Mittellinie gewähren ließ. In der Offensivbewegung ohne Ball erschien mir das Beobachtete allerdings zu statisch und leicht auszurechnen. Die Mannschaft präsentiert sich im Großen und Ganzen als kombinationssicher, der letzte öffnende Pass oder auch ein gefährlicher Steckpass in die Schnittstellen geht mir allerdings ab. Dies liegt aber meines Erachtens nicht an den potentiellen Passgebern, sondern an den schwachen Laufwegen der Offensivabteilung.

Nach 35 Minuten prüfte Dennis Dowidat den gut aufgelegten Siegener Schlussmann Poremba mit einem schönen Distanzschuss erstmalig. Aus Ermangelung weiterer hochkarätiger Torchancen ergab sich die Aachener Führung dann aber wieder einmal aus einer Standardsituation. Sowohl die ruhenden Bälle von Michael Lejan (Linksfuß), als auch die von Demai (Rechtsfuß) haben dermaßen viel Schnitt, dass wenn sie in den gegnerischen Strafraum segeln nur sehr schwer zu verteidigen sind. Auch an diesem Abend zeigte sich diese außergewöhnliche Qualität erneut, sodass Thackray nach einer Kopfballverlängerung im Strafraum sehenswert zur 1:0 Führung einnetzten konnte. Mit diesem Resultat ging es auch in die Pause.

Der zweite Durchgang begann mit mehreren Aufregern: nach einem Handspiel von Dominik Ernst entschied Schiedsrichter Schäfer zu Recht auf Elfmeter. Noch vor der Ausführung testete jedoch Siegens Volina Ernsts Nehmerqualitäten mit einer Kopfnuss und sah für diese Tätlichkeit auch prompt die rote Karte. Die Siegener glichen mit dem einzigen Torschuss der Partie! zum 1:1 aus und ließen, im weiteren Verlauf nur noch zu zehnt, die Aachener Mannschaft großer Teile der zweiten Halbzeit anrennen. Die Gäste spielten Fünferkette, sodass zehn Minuten vor Schluss die Anzeigentafel am Tivoli exemplarisch dazu ein Eckenverhältnis von 11:1 aufwies.

Wie schon so häufig diese Saison wurden die Nerven aller Beteiligten auf die Probe gestellt. Deutlich ist jedoch zu erkennen mit welcher Ruhe das Team solche mittlerweile bekannten Situationen händelt. Im Stile einer Spitzenmannschaft besinnt man sich auf seine Qualitäten und verfällt nicht in blinden Aktionismus, sodass fünf Minuten vor Schluss der so wichtige zweite Treffer auch tatsächlich fiel. Die Mannschaft scheint konditionell auf einem sehr hohen Niveau zu sein und entscheidet regelmäßig enge Partien in der Schlussphase. Erneut nach einer Ecke, kam der Ball in Form einer Bogenlampe auf den eingewechselten Ito. Der nahm sich ein Herz und wuchtete technisch hochwertig den Ball zum 2:1 Endstand volley ins Tor der Gäste.
Zwei Spiele der Rückrunde werden in diesem Kalenderjahr noch gespielt. Am Samstag geht es gegen die SG Wattenscheid, ehe dann den Samstag danach noch das Auswärtsspiel beim FC Hennef ansteht. Zwei Spiele könnten reichen um die sechs Tore gegen Essen aufzuholen und dann auf Rang 1 zu überwintern…